Nachrichten

Hessisches Staatsarchiv Darmstadt zeigt Renato-Mordo-Ausstellung – Eröffnung am 4. April 2022

Am Abend des 4. April 2022 werden Prof. Dr. Andreas Hedwig, Präsident des Hessischen Landesarchivs, Karin Müller, Vizepräsidentin des Hessischen Landtags, Hendrik Hering, Präsident des Landtags Rheinland-Pfalz und Schirmherr der Ausstellung, Bernhard Kukatzki, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz und Felix Münch von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, die Ausstellung „Renato Mordo: jüdisch, griechisch, deutsch zugleich. Ein Künstlerleben im Zeitalter der Extreme“ im Haus der Geschichte in Darmstadt eröffnen. Näheres dazu s. unter Veranstaltungen.

Die Ausstellung ist dort bis 15. Juli montags bis freitags von 9.00 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet. Zusätzlich wird ein Begleitprogramm mit 5 Abendveranstaltungen vom Hessischen Staatsarchiv Darmstadt und der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung angeboten.

Unterlagen zu Renato Mordo gesichtet

Dank freundlicher Unterstützung durch das Bürgeramt und das Stadtarchiv Mainz konnte Uwe Bader, Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, im März 2022 Unterlagen einer Einbürgerungsakte von Renato Mordo einsehen. Aus diesen Unterlagen geht hervor, dass Oberregisseur Renato Mordo auf seinen Antrag hin am 4. April 1932 in Darmstadt eingebürgert wurde und somit von da an die deutsche Staatsbürgerschaft besaß. Im Zuge der NS-Rassegesetzgebung wurde durch Verfügung des hessischen Staatsministeriums vom 13.2.1934 die Einbürgerung Renato Mordos und seines Sohnes Peter widerrufen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Familie Mordo bereits im Exil in Prag. Da mit Renato Mordos Einbürgerung 1932 keine Entlassung aus der griechischen Staatsbürgerschaft verbunden war, verfügte er weiterhin (bis zu seinem Lebensende) über die griechische Staatsbürgerschaft. Diese war für ihn sehr wichtig 1939, weil er als griechischer Staatsbürger das von den Deutschen schon besetzte Prag gerade noch in Richtung Athen verlassen konnte.


Renato-Mordo-Ausstellung in der Deutschen Schule in Athen

Erstmals im Ausland: Ausstellung der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz zu Renato Mordo in Deutscher Schule Athen eröffnet

Am 5. November eröffneten Landtagspräsident Hendrik Hering, Schirmherr der Ausstellung, Dr. Denis Alt, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz und Direktor Bernhard Kukatzki seitens der Landeszentrale für politische Bildung die Ausstellung Renato Mordo: jüdisch, griechisch, deutsch zugleich – Ein Künstlerleben im Zeitalter der Extreme zusammen mit dem Vizeminister für Kultur und Sport der Hellenischen Republik Nikolas Yatromanolakis und Schulleiterin Annedore Dierker in der Deutschen Schule in Athen. Die von Kurator Torsten Israel zusammen mit Uwe Bader von der Landeszentrale und Marita Hoffmann vom LLUX-Verlag Ludwigshafen entwickelte Ausstellungsversion in griechischer und deutscher Sprache hat in der Deutschen Schule Athen im Stadtteil Maroussi ihre erste Station in Griechenland und will von dort aus weiter auf Wanderschaft gehen, eine erste Anfrage aus Thessaloniki liegt bereits vor. An der Eröffnung sprachen Dr. Ernst Reichel, Botschafter der Bundesregpublik Deutschland und Dr. Martina Herrmann, Gesandte der Österreichischen Botschaft in Griechenland, Grußworte und dankten der Landeszentrale und der Deutschen Schule Athen  (DSA) für das Erinnerungsprojekt zu Renato Mordo. Kurator Torsten Israel führte in die Ausstellung ein.

Hendrik Hering, Präsident des Landtags Rheinland-Pfalz, wies bei der Eröffnung daraufhin, dass Renato Mordos Theaterstück „Chaidari“ mit dem hoffnungsvollen Satz endet:

„›Die Freiheit werden wir wahren, heute und morgen und in aller Zeit‹ -Diese Ausstellung bietet zahlreiche Möglichkeiten für neue Ansätze in der Gedenkarbeit und Demokratiebildung gerade für junge Menschen. An der Schwelle zu einer Zeit ohne Zeitzeugen gewinnen künstlerische Ausdrucksformen wie das Theater, die einen emotionalen Zugang zur Vergangenheit eröffnen, zunehmend an Bedeutung. Ich danke der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz für ihre Initiative.“

Dr. Denis Alt, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz, stellte fest:

„Erst durch Veranstaltungen, Publikationen und Ausstellungen wie diese zu Renato Mordo, wird einem größeren Publikum bekannt, welche verheerenden Folgen die Besatzung Griechenlands 1941 bis 1945 für die griechische Bevölkerung und das Land hatte. Es ist in Deutschland bislang immer noch weitgehend unbekannt, dass Griechenland die höchsten Opferzahlen aller nicht-slawischen Länder zu beklagen hatte, die von Hitlers Wehrmacht unterworfen worden waren.“

Bernhard Kukatzki, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, war vom hohen Niveau des Gesprächs mit den Schülerinnen und Schülern der DSA vor der Eröffnung begeistert:

„In unserem Gespräch standen die Erfahrungen im Mittelpunkt, die die Jugendlichen der DSA bei ihrer Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk von Renato Mordo gemacht haben. Die Kenntnisse, die sie dabei erworben haben, zeigten ihnen wie wichtig es ist, dass junge Menschen das Erinnern an Geschichte pflegen. Sein Theaterstück ›Chaidari‹, das Renato Mordo erfolgreich in Athen im Oktober 1944 uraufführte, gilt es in Deutschland zu entdecken und auch in Griechenland wieder neu ins Gedächtnis zu rufen.“

Höhepunkt des am 6. November in der DSA durchgeführten Thementages war eine szenische Lesung von Auszügen des Theaterstücks durch Schülerinnen und Schüler unter der Regie des Theaterregisseurs Martin Scharnhorst. Vorgestellt wurden auch das gemeinsame Übersetzungsprojekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Ionischen Universität Korfu, das die griechischen Ausstellungstexte geschaffen hatte. Prof. Dr. Nicolas Apostolopoulos stellte das Projekt „ Memories of he Occupation in Greece“ vor, das seit 2016 an der FU Berlin besteht. Torsten Israel referierte über „Renato Mordo und die Emigration deutschsprachiger Künstler und Intellektueller 1933 bis 1945 in Griechenland“. Uwe Bader von der Landeszentrale stellte die Gedenkarbeit in Rheinland-Pfalz und ihre internationalen Projekte vor und Bettina Münch-Rosenthal von der ADD Rheinland-Pfalz berichtete über den Stand der deutsch-griechischen Gedenkarbeit an Schulen in Rheinland-Pfalz.

Die Ausstellung ist noch bis zum 26. November in der Deutschen Schule zu sehen: Renato Mordo: jüdisch, griechisch, deutsch zugleich – Ein Künstlerleben im Zeitalter der Extreme (dsathen.gr)



Renato Mordo – Ausstellung im Abgeordnetenhaus des Landtags bis zum 29. Oktober in Mainz

Die Ausstellung „Renato Mordo: jüdisch, griechisch, deutsch zugleich. Ein Künstlerleben im Zeitalter der Extreme“ hat nach ihrer Präsentation in der Gedenkstätte KZ Osthofen nun in Mainz ihre zweite Station. Sie wurde am 23. September vom Schirmherrn der Ausstellung, Landtagspräsident Hendrik Hering, und dem Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Bernhard Kukatzki, eröffnet. Wie schon in Osthofen vor einem Jahr nahm die griechische Generalkonsulin in Frankfurt am Main, Ioanna Kriebardi, auch an dieser Eröffnung teil. Die Ausstellung ist bis 29. Oktober 2021 im Foyer des Mainzer Abgeordnetenhauses (Kaiser-Friedrich-Straße 3) zu sehen.

Die Ausstellung zeigt Stationen im Leben des Theater- und Opernregisseurs Renato Mordo. Der 1894 in Wien geborene Regisseur und Theaterleiter, der in den Zwischenkriegszeit u.a. in Darmstadt und Worms wirkte, war einer der produktivsten und vielseitigsten Theaterkünstler der Weimarer Republik. Schon länger antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt, wurde Renato Mordo durch den nationalsozialistischen Terror ins Exil getrieben. In Prag und vor allem in Athen konnte er an seine künstlerischen Erfolge anknüpfen. In Athen war er Mitgründer der Griechischen Nationaloper in Athen und förderte die junge Opernsängerin Maria Callas. Während der deutschen Besetzung Griechenlands 1944 ins KZ Chaidari verschleppt, überlebte er nur aufgrund glücklicher Umstände. Nach weiteren Engagements in Ankara und Tel Aviv kehrte Renato Mordo 1952 als Oberspielleiter der Mainzer Oper nach Deutschland zurück. Sein  vorzeitiger Tod riss ihn dort 1955 mitten aus der Probenarbeit.

Bernhard Kukatzki sagte bei der Eröffnung u.a. : „Als wir 2019 lange vor der Pandemie den Entschluss fassten, an den zu Unrecht ins Vergessen geratenen Theater- und Opernregisseur Renato Mordo zu erinnern, war uns in der Landeszentrale für politische Bildung klar, dass diese Ausstellung unbedingt auch in der Landeshauptstadt Mainz gezeigt werden muss. Renato Mordo emigrierte nach seinen erfolgreichen Jahren in der Weimarer Republik in Oldenburg und Darmstadt infolge der steigenden Anfeindungen von den Nazis gegen Juden zuerst in die Tschechoslowakei. 1939 flüchtete er 1939 nach Griechenland, wo er 1944 nur durch glückliche Umstände das KZ Chaidari überlebte. Nach Stationen in der Türkei und in Israel kam er dann letztlich 1952 doch zurück nach Deutschland und war bis zu seinem Tod Direktor der Oper in Mainz.

Somit ist ein starker regionaler Bezug zu uns hier gegeben. Es war sehr bitter, dass der noch in voller Schaffenskraft tätige Renato Mordo nach nur drei Jahren durch eine plötzliche, schwere Krankheit mitten aus dem Leben und seinem erfolgreichen Wirken gerissen wurde. Gerade in Mainz ist an ihn zu erinnern und es wäre schön, wenn unsere gemeinsame Ausstellung dazu führen würde, wenn man ihm theater- und stadtgeschichtlich wieder mehr Beachtung schenken würde. Sollte man in Mainz für die Benennung einer Straße oder eines kulturellen Ortes nach einem geeigneten Namen suchen, erscheint uns Renato Mordo als besonders geeignet.“

Bilder : © Landtag Rheinland-Pfalz, Foto: A. Linsenmann.

Link zum Landtag:
https://www.landtag.rlp.de/de/aktuelles/detail/news/detail/News/renato-mordo-eine-geschichte-von-verfolgung-und-widerstand-1/-/-/

Link zu Video:
https://www.youtube.com/watch?v=2d6JnkmPcx8


Rückblick auf die Szenische Lesung „Chaidari“ vom 11. Juli in Osthofen 

Nach Monaten der pandemiebedingten Schließung konnte die Gedenkstätte KZ Osthofen am Sonntag, den 11. Juli 2021 endlich mal wieder Publikum in höherer Zahl empfangen, wenn auch nur mit großen Abständen und unter freiem Himmel.

Die Veranstaltung wurde von der Landeszentrale für politische Bildung gemeinsam mit dem Förderverein Projekt Osthofen e.V. durchgeführt, unterstützt wurde die Lesung vom Landtag Rheinland-Pfalz und der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur.

Zur Ausstellung „Renato Mordo: jüdisch, griechisch, deutsch zugleich – ein Künstlerleben im Zeitalter der Extreme“ wurde eine Szenischen Lesung veranstaltet. Henning Kohne vom Pfalztheater Kaiserslautern las aus dem zweifellos wichtigsten (Selbst)Zeugnis Renato Mordos, aus seinem Stück über das Konzentrationslager „Chaidari“. Der Kurator der Ausstellung, Torsten Israel, führte in die Lesung ein und erläuterte die historischen Hintergründe.

Das Theaterstück „Chaidari“ von Renato Mordo gibt tiefe Einblicke in die deutsche Besatzung Griechenlands 1941-1944. Das bislang unveröffentlichte Werk, das die Grausamkeit des nationalsozialistischen Unterdrückungsapparates, aber auch die Unbeugsamkeit der Gefangenen in singulärer Weise verdeutlicht, geht auf seinen persönlichen Leidensweg als Häftling zurück. Weitere Informationen über Renato Mordo können Sie auf dieser Webseite entnehmen.

Bei der Lesung konnten auch die ersten druckfrischen Exemplare des von der Landeszentrale und dem Landtag ermöglichten Buches von Torsten Israel (Hg.): Renato Mordo – Chaidari. Szenen aus Hitlers Konzentrationslager in Griechenland angeboten werden, das beim LLUX-Verlag in Ludwigshafen bestellt werden kann unter buecher.llux.de . Die Ausstellung zu Renato Mordo ist noch bis zum 28. Juli in der Gedenkstätte KZ Osthofen zu sehen.

Fotos: LpB / NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz